
Auch wenn die gesamte Lebensmittelversorgungskette unter Kostendruck steht, ist die Situation für österreichische Lebensmittelproduzenten aus unserer Sicht besonders angespannt. Speziell familiengeführte, mittelständische Produzenten befinden sich in einer dramatischen Sandwichposition:
Warum werden viele Branchen bei den Energiekosten staatlich entlastet, während die Lebensmittelwertschöpfungskette politisch unter Druck steht, trotz steigender Kosten niedrigste Preise zu gewährleisten? Steigende Kosten lassen sich leider nicht politisch wegfordern!
Die Statistik Austria zeigt seit Jänner 2023 im Detail folgende Entwicklung (siehe Grafik):
• +13,8 % Gesamtinflation
• +11,1 % Inflation bei Nahrungs- und Genussmitteln
•  +1,5 % (!) hingegen bei den „Ab-Werk-Preisen“ (lt. EPI), im rollierenden Jahr sogar MINUS 2 %!
Die Erzeuger bleiben oft auf den Mehrkosten sitzen. Das schmälert ihre Erträge – bis hin zu Herstellerpreisen, die die Produktionskosten nicht mehr decken.
Diese extreme Schere verschärft die politische Debatte über mehr Transparenz, faire Wettbewerbsbedingungen und die Begrenzung der Marktmacht. Der Ruf nach einer neuerlichen Untersuchung der Lebensmittelversorgungskette durch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wird immer lauter.
Pro Lebensmittel Österreich setzt sich mit Nachdruck für Fairness im Wettbewerb und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für familiengeführte, heimische Lebensmittelproduzenten ein. Sie sind seit Generationen das wirtschaftliche Rückgrat unserer Versorgung. Wer eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln aus Österreich will, muss auch dafür sorgen, dass die Betriebe wirtschaftlich bestehen können!
Während internationale Konzerne wie ARDO ihreProduktion verlagern, steht mittelständischen Familienbetrieben diese Optionkaum offen. Wenn sie aufgeben, verliert Österreich Produktionskapazität,regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.
💥 Das persönliches Fazit unseres Obmanns:
FĂĽr immer noch billigere Lebensmittel dĂĽrfen nicht Existenzen traditionsreicherheimischer Produzenten geopfert werden! Konkret heiĂźt das aus meiner Sicht:
👉 Die Politik muss wettbewerbsfähige Standortbedingungen schaffen unddie Betriebe bei Energie, Abgaben und Bürokratie entlasten.
👉 Die Produzenten selbst müssen ihr Profil schärfen, sichspezialisieren und sich auf Qualität, Innovationen und Effizienz konzentrieren.
👉 Die Handelskonzerne müssen ihrer Verantwortung für partnerschaftlicheGeschäftsbeziehungen gerecht werden und heimische Qualitätsprodukte fairabgelten. Wer mit Regionalität wirbt, muss ihr auch im Einkauf Gewicht geben –statt auf möglichst billige internationale Beschaffung zu setzen. EinÖsterreich-Bekenntnis ist wenig wert, wenn heimische Produzenten wirtschaftlichauf der Strecke bleiben.
👉 Auch Konsumentinnen und Konsumenten können sich dabei nicht aus der Verantwortung nehmen: Sie entscheiden täglich am Regal, ob und welche Lebensmittel aus Österreich eine Zukunft haben.
đź’¬ Wohin fĂĽhrt diese Entwicklung?
Wie lange kann es gutgehen, dass die Herstellkosten explodieren, während die Preise, die Produzenten für ihre Produkte erhalten, kaum steigen – und was braucht es, um eine strukturelle Krise der heimischen Versorgungssicherheit zu verhindern?
Warum ausgerechnet bei Lebensmitteln sparen, wenn sich bei den anderen fast 90% der Ausgaben meist deutlich mehr sparen lässt?
Passt eine „Geiz ist geil“-Mentalität bei Lebensmitteln in diese krisengebeutelte Zeit? Schließlich ist die Lebensmittelversorgung Teil unserer kritischen Infrastruktur.
Meinungen und Erfahrungen sind willkommen – gerne über das Kontaktformular oder als Nachricht an Kai Peter Höller, unseren Obmann und Sprecher.
‍
Pro Lebensmittel
office@pro-lebensmittel.at
Herrengasse 1
4550 KremsmĂĽnster
Ă–sterreich
Sie finden diesen Artikel interessant? Teilen Sie Ihn auf Social Media und teilen Sie Ihre Meinung.